Microsoft 365 Copilot, Claude Enterprise oder ChatGPT Enterprise: Für welche Organisation was
Von Jean Hinz Veröffentlicht 28.09.2026 Aktualisiert 28.09.2026 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Wer in Microsoft 365 arbeitet, startet mit Copilot für 26,00 € je Nutzer und Monat. Für Schreib- und Analysearbeit sind Claude Team und ChatGPT Business ab 20 US-Dollar je Platz gleichwertige Alternativen. Eine Lizenz reicht, solange ein Mensch im Chat arbeitet. Läuft ein Vorgang ohne Chatfenster, bauen wir die Lösung, ab 4.900 € netto.
Inhalt
Die meisten Unternehmen, mit denen wir sprechen, haben bereits eine KI-Lizenz oder stehen kurz davor. Die Frage ist selten, ob, sondern welche, und ob die Lizenz das eigentliche Problem löst. Wir vergleichen die drei verbreiteten Firmenangebote nach Preis, Datenschutz, Anbindung und Verwaltung, und sagen ehrlich, wann eine Lizenz reicht und wann wir eine Lösung bauen würden.
Was kosten die drei Lizenzen im September 2026?
Alle drei Anbieter rechnen pro Person ab, unterscheiden sich aber in der Logik. Die Angaben stammen von den Preisseiten, Stand September 2026, Microsoft in Euro zuzüglich Umsatzsteuer, Anthropic und OpenAI in US-Dollar.
| Angebot | Preis je Person und Monat | Hinweise |
|---|---|---|
| Microsoft 365 Copilot | 26,00 € bei jährlicher Abrechnung | Setzt einen berechtigenden Microsoft-365-Plan voraus |
| Microsoft 365 Copilot Business | 15,60 € bei jährlicher Abrechnung (reduziert, regulär 18,20 €) | Für die Business-Pläne von Microsoft 365 |
| Claude Team | 20 USD jährlich, 25 USD monatlich | 2 bis 150 Personen, Premium-Platz 100 USD |
| Claude Enterprise | 20 USD je Platz plus Nutzung zu API-Preisen | Nutzung skaliert mit Modell und Aufgabe |
| ChatGPT Business | 20 USD jährlich, 25 USD monatlich | Ab 2 Personen |
| ChatGPT Enterprise | Individuell | Abrechnung über Credits oder Tokens möglich |
Quellen: Microsoft 365 Copilot, Copilot Business, Claude Pricing, ChatGPT Business Pricing.
Zwei Punkte fallen auf. Microsoft nennt für Copilot Business einen reduzierten Preis ohne Enddatum, dazu Pakete wie Business Standard mit Copilot Business für 20,36 € im Jahresvertrag. Und Claude Enterprise hat das Modell gewechselt: Der Platz kostet wenig, die eigentlichen Kosten entstehen über die Nutzung. Das ist fair für Teams mit ungleicher Nutzung, macht das Budget aber schwerer planbar. Anthropic bietet dafür Ausgabegrenzen je Person und für die Organisation.
Wie unterscheiden sich Datenschutz und Datenstandort?
Alle drei schließen das Training auf Ihren Inhalten in den Firmenplänen aus. Die Unterschiede liegen im Datenstandort und in Details, die man kennen sollte.
Microsoft 365 Copilot fällt laut Microsoft unter die bestehenden Zusagen für Microsoft 365, einschließlich DSGVO und EU Data Boundary, also der Zusage, Daten von EU-Kunden in der EU zu verarbeiten. Prompts, Antworten und Daten aus Microsoft Graph werden nicht zum Training von Basismodellen genutzt. Eine wichtige Ausnahme: Modelle von Anthropic, die Microsoft in Copilot als Unterauftragsverarbeiter einsetzt, sind derzeit von der EU Data Boundary ausgenommen (Stand August 2026). Wer strenge Vorgaben hat, sollte diese Modelle im Admin-Bereich prüfen.
ChatGPT trainiert laut OpenAI weder im Business- noch im Enterprise-Plan auf Ihren Daten. Datenresidenz in Europa (EWR und Schweiz) gibt es aber nur für Enterprise und Edu: Laut OpenAI Help Center können neue Enterprise- und Edu-Kunden die Speicherung in einer von zehn Regionen wählen und für Europa zusätzlich die Verarbeitung dort festlegen. Business-Kunden haben diese Wahl nicht.
Claude trainiert laut Anthropic in Team und Enterprise standardmäßig nicht auf Ihren Inhalten. Eigene Aufbewahrungsregeln gibt es nur im Enterprise-Plan. Eine EU-Datenresidenz für Team oder Enterprise nennt Anthropic auf der Preisseite nicht (Stand September 2026). Wenn Sie sie brauchen, fragen Sie im Vertrieb konkret nach und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben.
Wie gut passen die Werkzeuge zu Ihren Systemen?
Hier liegt der eigentliche Unterschied im Alltag. Copilot arbeitet dort, wo Ihre Daten in Microsoft 365 schon liegen: in Outlook, Teams, Word und SharePoint. Laut Microsoft zeigt Copilot nur Inhalte, die die jeweilige Person mindestens lesen darf. Das ist ein Vorteil und ein Risiko zugleich. Wenn Ordner in SharePoint zu offen freigegeben sind, findet Copilot diese Inhalte auch. Vor dem Rollout lohnt sich deshalb ein Blick auf die Freigaben.
Claude und ChatGPT sind eigenständige Arbeitsumgebungen, die Sie über Konnektoren an andere Dienste anbinden. Anthropic listet für Team und Enterprise unter anderem Claude für Microsoft 365 und Outlook, Claude Code für Entwicklung und eine unternehmensweite Suche. Die Auswahl an Konnektoren ändert sich bei beiden Anbietern schnell. Wir prüfen im Einzelfall, ob Ihr CRM, Ihr Ticketsystem oder Ihre Branchensoftware dabei ist.
Welche Admin-Kontrollen bekommen Sie?
Für die IT ist die Verwaltung oft wichtiger als die Qualität der Antworten. Der Sprung zwischen den kleinen und großen Plänen ist bei Anthropic und OpenAI deutlich.
Claude Team bietet Single Sign-on, Domainverifizierung, zentrale Abrechnung, Kontrolle über Konnektoren und Nutzungsauswertungen. Claude Enterprise ergänzt SCIM (automatische Anlage und Löschung von Konten aus Ihrem Verzeichnis), rollenbasierte Rechte, Audit-Logs, eine Compliance-Schnittstelle, eigene Aufbewahrungsregeln und IP-Freigabelisten.
ChatGPT Business bietet SAML-basiertes Single Sign-on. SCIM, eigene Schlüsselverwaltung, rollenbasierte Rechte, Datenresidenz, Compliance-Logs, IP-Freigabelisten und eigene Aufbewahrungsregeln stehen laut OpenAI nur im Enterprise-Plan.
Microsoft 365 Copilot übernimmt die Berechtigungen aus Ihrem Microsoft-365-Mandanten. Nutzerinnen und Nutzer können ihren Copilot-Verlauf selbst löschen. Für Unternehmen, die Microsoft 365 bereits sauber verwalten, ist das der kürzeste Weg.
Wann reicht eine Lizenz?
Eine Lizenz reicht, solange ein Mensch die Arbeit anstößt, im Chat bleibt und das Ergebnis selbst weiterverwendet. Das trifft auf einen großen Teil der Wissensarbeit zu: Texte entwerfen, Protokolle zusammenfassen, Recherchen strukturieren, Tabellen auswerten. Hier bauen wir nichts, weil es nichts zu bauen gibt. Was Sie brauchen, sind Regeln für den Umgang mit Daten und ein Team, das die Werkzeuge gut beherrscht. Leitfäden dazu hat unser Gründer Jean Hinz auf seiner eigenen Seite veröffentlicht, für Claude und für ChatGPT. Schulungen gibt es dort als KI-Workshop.
Unsere ehrliche Empfehlung für die Wahl: Arbeitet Ihr Team in Microsoft 365, starten Sie mit Copilot. Wird vor allem geschrieben und analysiert und ist Microsoft nicht gesetzt, testen Sie Claude und ChatGPT je zwei Wochen mit echten Aufgaben. Die Unterschiede in der Textqualität sind kleiner als die in Oberfläche und Verwaltung.
Wann ist eine gebaute Lösung sinnvoll?
Die Grenze verläuft dort, wo niemand mehr ein Chatfenster öffnen soll. Typische Fälle aus unserem Katalog:
Ein Vorgang läuft von selbst an. Eine Rechnung kommt ins Postfach, eine Anfrage über das Formular, ein Ticket ins Supportsystem. Eine Lizenz wartet auf eine Person, eine Lösung wie die E-Mail-Triage reagiert auf den Eingang.
Das Ergebnis muss in ein System. Wenn der Entwurf im CRM landen, die Buchung im ERP vorbereitet oder der Status im Ticket gesetzt werden soll, braucht es eine feste Anbindung mit Freigabeschritt und Protokoll.
Die Nutzer sind keine Mitarbeitenden. Lizenzen gelten pro Person im Unternehmen. Kunden, Gäste oder Bewerber brauchen einen eigenen Assistenten auf der Website oder im Portal.
Die Qualität muss messbar sein. Eine Lösung hat ein Testset, Abnahmekriterien und einen Betrieb, der Abweichungen bemerkt. Im Chat bemerkt das nur, wer gerade hinsieht.
Zur Rechnung: 30 Personen mit Copilot kosten bei 26,00 € rund 780 € im Monat, jeden Monat. Eine Katalog-Lösung für einen Vorgang kostet einmalig ab 4.900 € netto und im Betrieb M 490 € im Monat, dazu Modellkosten nach Nutzung. Beides schließt sich nicht aus. In vielen Häusern ist die richtige Antwort: Lizenz für alle, gebaute Lösung für den einen Vorgang, der am meisten Zeit kostet.
Für welche Organisation passt was?
Die Matrix fasst unsere Einschätzung zusammen. Sie ersetzt keinen Test mit Ihren Daten, zeigt aber, wo die Stärken liegen.
Zwei Zeilen brauchen eine Erläuterung. Bei der EU-Datenresidenz steht Copilot auf „passt“, mit der oben genannten Ausnahme für Anthropic-Modelle. Claude steht auf „bedingt“, weil wir keine öffentliche Zusage gefunden haben. Bei Vorgängen ohne Chatfenster heißt „bedingt“: Einzelne Abläufe lassen sich auch mit den Lizenzprodukten einrichten, aber ohne festes Testset und ohne jemanden, der sie überwacht. Für einen Vorgang mit festen Regeln, Freigabe und Protokoll über mehrere Systeme bauen wir trotzdem lieber eine eigene Lösung, weil sie testbar ist und im Betrieb überwacht wird. Wie wir den passenden Modellzugang wählen, beschreibt der Artikel Welches KI-Modell für welche Aufgabe, die Einkaufswege vergleicht Azure, Bedrock, Vertex oder Direktzugang. Unsere Leistung dazu finden Sie unter KI-Software und Assistenten.
Quellen
- 1 Microsoft 365 Copilot für Unternehmen , Microsoft, 28.09.2026
- 2 Microsoft 365 Copilot Business , Microsoft, 28.09.2026
- 3 Data, Privacy, and Security for Microsoft 365 Copilot , Microsoft Learn, 18.08.2026
- 4 Plans & Pricing , Anthropic, 28.09.2026
- 5 Business Pricing , OpenAI, 28.09.2026
- 6 Data residency and inference residency for ChatGPT , OpenAI Help Center, 28.09.2026
Prüfhinweis: Quartalsweise, nächster Termin 31.12.2026: Lizenzpreise (Copilot Business ist derzeit reduziert, Enddatum prüfen), Plan-Namen, Admin-Funktionen je Plan, EU Data Boundary inklusive Ausnahme für Anthropic-Modelle und Datenresidenz bei ChatGPT und Claude neu prüfen.