KI-Agenten

Was ein KI-Agent im Unternehmen wirklich ist: Abgrenzung zu Assistent, Workflow und RPA

Von Veröffentlicht 28.09.2026 Aktualisiert 28.09.2026 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Ein KI-Agent ist ein System, in dem ein Sprachmodell selbst entscheidet, welchen Schritt es als Nächstes macht und welches Werkzeug es nutzt, bis eine Aufgabe erledigt ist. Ein Assistent antwortet nur, ein Workflow folgt festen Pfaden, RPA bedient Oberflächen nach Skript. Einen ersten Agenten mit Systemzugriff bauen wir ab 4.900 € netto.

Inhalt
  1. Was ist ein KI-Agent, kurz gesagt?
  2. Worin unterscheidet sich ein Agent von einem Assistenten?
  3. Wann ist es ein Workflow und kein Agent?
  4. Und was unterscheidet einen Agenten von RPA?
  5. Wie finden Sie heraus, was Ihr Vorhaben braucht?
  6. Warum nennen so viele Anbieter alles einen Agenten?
  7. Was sagt die KI-Verordnung zum Begriff?
  8. Woran erkennen Sie einen Agenten, der im Betrieb taugt?

Kaum ein Begriff wird gerade so großzügig verwendet wie KI-Agent. Für Ihre Entscheidung zählt aber nicht das Etikett, sondern eine einzige Frage: Wer bestimmt die Schrittfolge, ein fester Ablauf oder das Sprachmodell selbst? Wir ordnen Agent, Assistent, Workflow und RPA so ein, wie wir sie bauen und betreiben.

Was ist ein KI-Agent, kurz gesagt?

Anthropic unterscheidet in seinem Leitfaden Building effective agents vom 19.12.2024 zwei Bauformen. Workflows sind Systeme, in denen Sprachmodell und Werkzeuge über vorab festgelegte Codepfade gesteuert werden. Agenten sind Systeme, in denen das Sprachmodell seinen Ablauf und den Einsatz der Werkzeuge selbst steuert. OpenAI beschreibt Agenten in seinem Praxisleitfaden (Stand September 2026) als Systeme, die Aufgaben eigenständig in Ihrem Auftrag erledigen. Einfache Chatbots, einzelne Modellaufrufe und Stimmungsklassifikatoren zählt OpenAI ausdrücklich nicht dazu.

Für die Arbeit im Unternehmen nutzen wir vier Merkmale. Ein KI-Agent hat:

  1. ein Ziel, das über eine einzelne Antwort hinausgeht, etwa eine Reklamation entscheidungsreif vorbereiten,
  2. Werkzeuge, also Zugriff auf Systeme wie CRM, Warenwirtschaft oder Postfach,
  3. eine eigene Schrittfolge: Er entscheidet, ob er noch etwas nachschlagen muss oder schon genug weiß,
  4. Grenzen: Freigabeschritte, eine Höchstzahl an Schritten, ein Kostenlimit und einen Abbruch mit Meldung an einen Menschen.

Fehlt Merkmal 3, ist es kein Agent. Fehlt Merkmal 4, ist es ein Risiko. Eine ausführlichere Einordnung, was Agenten leisten und wo ihre Grenzen liegen, finden Sie bei unserem Gründer auf jeanhinz.io/ki-agenten.

Worin unterscheidet sich ein Agent von einem Assistenten?

Ein Assistent beantwortet Fragen. Er kann dafür eine Wissensbasis nutzen, also eine durchsuchbare Sammlung Ihrer Dokumente, und seine Quellen nennen. Er handelt aber nicht. Er legt keine Gutschrift an, schreibt nichts ins CRM und schickt keine Mail an Kunden.

Das ist keine Schwäche. Für viele Fragen von Kunden oder aus dem Team ist ein Assistent die passende und günstigere Lösung, etwa ein Website-Assistent mit Wissensbasis ab 2.490 € netto. Die Grenze verschwimmt, sobald ein Assistent Werkzeuge bekommt. Kann er einen Auftragsstatus abrufen und je nach Ergebnis weiterfragen oder einen Termin eintragen, bewegt er sich in Richtung Agent. Dann gelten für ihn dieselben Anforderungen an Rechte, Freigaben und Protokoll.

Wann ist es ein Workflow und kein Agent?

Ein Workflow folgt einem Ablauf, den jemand vorher festgelegt hat: Eine Mail kommt an, sie wird gelesen, einer von fünf Kategorien zugeordnet und weitergeleitet. Solche Abläufe bauen wir meist mit n8n, einer Plattform für Automatisierungen mit grafischem Editor, die sich auch selbst betreiben lässt. Ein Sprachmodell kann darin einzelne Schritte übernehmen, etwa die Einordnung oder einen Antwortentwurf. Die Reihenfolge bestimmt trotzdem der Ablauf, nicht das Modell.

In den meisten Fällen ist das die bessere Wahl. Anthropic empfiehlt im genannten Leitfaden, mit der einfachsten Lösung zu beginnen und Komplexität nur zu erhöhen, wenn sie nötig ist. Agentische Systeme tauschen laut Anthropic oft Geschwindigkeit und Kosten gegen bessere Ergebnisse. Workflows sind vorhersehbar, günstiger im Betrieb und leichter zu prüfen. Unsere E-Mail-Triage ist genau so gebaut: ein Workflow mit KI-Schritten und Freigabe.

Ein Agent lohnt sich erst, wenn sich die nötigen Schritte nicht vorab festlegen lassen. Anthropic nennt dafür offene Aufgaben, bei denen die Zahl der Schritte kaum vorherzusagen ist. OpenAI nennt drei Anzeichen: Abwägungen, die vom Einzelfall abhängen, Regelwerke, die sich kaum noch pflegen lassen, und viele unstrukturierte Daten wie Mails oder PDFs.

Und was unterscheidet einen Agenten von RPA?

RPA, Robotic Process Automation, ist Software, die Tätigkeiten an der Bildschirmoberfläche nachahmt: anmelden, Felder ausfüllen, kopieren, einfügen. IBM beschreibt RPA (Stand September 2026) als prozessgetrieben und regelbasiert, im Unterschied zu KI, die datengetrieben arbeitet. Ein RPA-Bot folgt einem Skript. Ändert sich eine Eingabemaske, bleibt er stehen.

RPA hat seinen Platz, wenn ein Altsystem keine Schnittstelle hat und der Ablauf stabil ist. Ein Agent ersetzt RPA nicht automatisch. Auch ein Agent braucht einen Zugang zum System, am besten über eine Schnittstelle oder über MCP. Das Model Context Protocol ist laut offizieller Dokumentation ein offener Standard, um KI-Anwendungen mit externen Systemen zu verbinden. Wo weder Schnittstelle noch MCP-Anbindung existiert, arbeitet auch ein Agent unzuverlässig. Das klären wir vor dem Angebot.

Wie finden Sie heraus, was Ihr Vorhaben braucht?

Im Klärungstermin stellen wir drei Fragen in fester Reihenfolge. Die erste trennt Antworten von Handlungen, die zweite feste von offenen Abläufen, die dritte Schnittstelle von Oberfläche. Das Diagramm zeigt den Entscheidungsweg.

Entscheidungsbaum: Assistent, Workflow, RPA oder KI-Agent Drei Fragen führen zur passenden Bauform. Handelt das System nicht, genügt ein Assistent. Ist der Ablauf immer gleich und gibt es eine Schnittstelle, genügt ein Workflow, ohne Schnittstelle RPA. Ist der Ablauf nicht immer gleich, ist ein KI-Agent mit Freigabe und Grenzen die passende Bauform. Nein Ja Ja Nein Ja Nein Handelt das System in anderen Systemen, statt nur zu antworten? Assistent antwortet, handelt nicht Ist der Ablauf bei jedem Vorgang gleich? Hat das Zielsystem eine Schnittstelle oder MCP? KI-Agent wählt die Schritte selbst mit Freigabe und Grenzen Workflow feste Schritte, auch mit einzelnen KI-Schritten RPA bedient die Oberfläche nach festem Skript Entscheidend ist, wer die Schrittfolge bestimmt: der festgelegte Ablauf oder das Sprachmodell.
Entscheidungsbaum aus unseren Klärungsterminen: Erst wenn ein System handelt und der Ablauf nicht bei jedem Vorgang gleich ist, braucht es einen Agenten.

In der Praxis kommen Mischformen vor. Ein Workflow kann an einer Stelle einen Agenten aufrufen, etwa wenn eine Reklamation nicht ins Schema passt. Ein Agent kann einen Workflow als Werkzeug nutzen. Wichtig ist, dass für jeden Teil klar ist, wer die Schrittfolge bestimmt. Davon hängen Testaufwand, Betrieb und Kosten ab. Was das in Euro bedeutet, rechnen wir im Artikel Was ein KI-Agent kostet durch. Ob Sie einen einfachen Workflow selbst mit einem Werkzeug bauen können, beantwortet der Artikel Selbst bauen oder bauen lassen.

Warum nennen so viele Anbieter alles einen Agenten?

Weil sich der Begriff gut verkauft. Gartner beschreibt in einer Pressemitteilung vom 25.06.2025 das sogenannte Agent Washing: Anbieter benennen bestehende Produkte wie Assistenten, RPA oder Chatbots in Agenten um, ohne nennenswerte agentische Fähigkeiten zu liefern. Gartner schätzt dort, dass nur etwa 130 der Tausenden Anbieter tatsächlich Agenten anbieten. Dieselbe Mitteilung prognostiziert, dass bis Ende 2027 über 40 Prozent der Agenten-Projekte eingestellt werden, wegen steigender Kosten, unklarem Nutzen oder unzureichender Risikokontrollen. Das ist eine Prognose, keine Messung, aber die genannten Gründe decken sich mit dem, was wir in Projekten sehen.

Für Ihren Einkauf heißt das: Fragen Sie nicht, ob etwas ein Agent ist. Fragen Sie, wer die Schritte bestimmt, welche Rechte das System in welchem Ihrer Systeme bekommt, wo das Protokoll liegt und was bei einem Fehler passiert. Wer darauf keine konkreten Antworten hat, verkauft Ihnen ein Etikett.

Was sagt die KI-Verordnung zum Begriff?

Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 regelt KI-Systeme. Art. 3 Nr. 1 definiert ein KI-System als maschinengestütztes System, das für einen in unterschiedlichem Grade autonomen Betrieb ausgelegt ist und aus Eingaben ableitet, wie es Ausgaben wie Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen erstellt, die physische oder virtuelle Umgebungen beeinflussen können. Ein Agent auf Basis eines Sprachmodells fällt nach unserer Einschätzung in aller Regel darunter, ein Assistent ebenso. Wer ein solches System in eigener Verantwortung einsetzt, ist nach Art. 3 Nr. 4 Betreiber.

Für die Pflichten zählt der Einsatzzweck, nicht die Bauart. Art. 4 zur KI-Kompetenz gilt seit 02.02.2025, in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744 verlangt er Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz, kein bestimmtes Kompetenzniveau. Die Transparenzpflichten nach Art. 50 gelten seit 02.08.2026, relevant etwa, wenn ein Agent direkt mit Kundinnen und Kunden kommuniziert. Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III gelten nach der Änderung durch den Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, ab 02.12.2027 (Stand September 2026). Agenten, die über Bewerbende, Beschäftigte oder die Kreditwürdigkeit von Personen entscheiden, bauen wir nicht. Die Einordnung je System übernimmt unser Angebot zur KI-Governance. Eine Rechtsberatung ersetzt das nicht.

Woran erkennen Sie einen Agenten, der im Betrieb taugt?

Ein brauchbarer Agent ist unspektakulär. Er darf zum Start nur lesen. Jeder schreibende Schritt wartet auf eine Freigabe per Mail, Teams oder Slack. Er arbeitet mit eigenen Dienstkonten und minimalen Rechten, nicht mit dem Zugang einer Mitarbeiterin. Jede Aktion steht im Protokoll mit Zeitpunkt, System, Eingabe, Ergebnis und freigebender Person. Und er hat Grenzen: eine Höchstzahl an Schritten und ein Kostenlimit je Vorgang. Wird eine Grenze erreicht, bricht er ab und meldet den Fall an einen Menschen.

Anthropic empfiehlt, Agenten ausgiebig in abgeschotteten Testumgebungen zu prüfen und mit passenden Schutzmechanismen zu versehen, weil sich Fehler über mehrere Schritte aufschaukeln können. Wir testen deshalb mit 30 bis 50 echten Vorgängen im Nur-Lese-Modus, bevor ein Agent live geht. Was zwischen Pilot und Betrieb typischerweise fehlt, beschreibt der Artikel Von Pilot zu Produktion. Wie wir Agenten bauen, einführen und betreiben, zeigt die Leistung KI-Agenten. Wenn sich herausstellt, dass Ihr Vorgang immer gleich abläuft, ist eine Automatisierung die ehrlichere Empfehlung, und wir sagen Ihnen das vor dem Auftrag.

Quellen

  1. 1 Building effective agents , Anthropic, 19.12.2024
  2. 2 A practical guide to building agents , OpenAI, 28.09.2026
  3. 3 Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 3 Begriffsbestimmungen , Amtsblatt der Europäischen Union, EUR-Lex, 12.07.2024
  4. 4 Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus zur KI-Verordnung) , Amtsblatt der Europäischen Union, EUR-Lex, 28.09.2026
  5. 5 Gartner Predicts Over 40% of Agentic AI Projects Will Be Canceled by End of 2027 , Gartner, 25.06.2025
  6. 6 What is robotic process automation (RPA)? , IBM, 28.09.2026
  7. 7 What is the Model Context Protocol (MCP)? , Model Context Protocol, 28.09.2026

Prüfhinweis: Zum 31.12.2026 prüfen: Definitionen und Leitfäden von Anthropic, OpenAI und MCP auf neue Fassungen, KI-Verordnung und Digital Omnibus auf Änderungen an Art. 3 und an den Fristen, Katalogpreise gegen src/data/pricing.ts.

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